Gedichte Beziehung


Gedichte - Beziehung

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema Beziehung für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 


Glück der Erinnerung

Getrennt von dir, bist du mir nicht verloren,
Wenn auch entfernt,
genieß ich reines Glück.
Die schönsten Stunden, immer neu geboren,
Ruft mein lebend'ger Geist in sich zurück.

Schon sitz' ich wieder nah an deiner Seite,
Wir lesen wieder, wie wir sonst getan.
Vereint ins Buch zu sehn, ist große Freude,
Doch größre, sieht man sich einander an.

Nun kommt ein Wort,
das du nicht recht verstanden,
Und ich erkläre dir's, wie ich's vermag.
Du fassest leicht und schnell,
so schnell verschwanden
Am Buch die Stunden, abends wie am Tag.

Bleibt mir doch stets ein freudiges Erinnern,
Wie oft mich dein gewandter Geist entzückt!
So gegenwärtig bleibt der Kuß dem Innern,
Dem vielgeliebten Nacken aufgedrückt.

Dich übermannt der Schlaf
am späten Abend,
Getrost an meiner Seite schläfst du ein.
Wie ist mir nun dein stiller Anblick labend,
Der Züge, die auch schlafend
schön und rein!

Ein Rauschen hör' ich
in dem nächsten Zimmer;
Ich flüstre deinen Namen, - schnell erwacht,
Ermuntert bist du, Leben ganz wie immer,
Und freundlich, wie du je mich angelacht.

Nun wird es spät, du wickelst deine Locken,
Ich bin dir nah und seh beglückt dich an;
Und du erzählst, behend und ohne Stocken,
Ein Märchen mir, wie du es oft getan.

Ist Nacht es nun und muß ich endlich gehen,
Reichst liebend du
den Mantel von der Wand,
Umhüllest mich - ich laß es gern geschehen -
Und drückst mir noch
zum Lebewohl die Hand.

Dann auf der Straße wieder
und im Dunkeln,
Seh' ich hinauf zu deinem Licht zurück.
Und wie am Himmel ew'ge Sterne funkeln,
So trag ich mit mir mein genoßnes Glück.

Johann Peter Eckermann
 

 

 

 

 

 

 

Vergangene Zeiten

Dunkle Nacht und doch so hell,
durch leucht'nen Sternenglanz.
Der Mond nur seine Sichel zeigt,
als bitte er zum Tanz.
Einst dies noch zu zweit gesehn,
das strahlne Himmelszelt.
Und jetzt wir hier alleine stehn,
ringsum die ganze Welt.
Es sind vergangene Zeiten nun,
die wir zusammen verbracht.
Wenn wir dies heut alleine tun,
kein Stern mehr drüber wacht.

Unbekannt

 

 

 

Begehre keine Blicke

Begehre keine Blicke,
der Neid hat viele Tücke.
Zeig dich anderen Frauen unbekannt,
und traue keiner falschen Hand.
Es hat schon oft viel Streit gebracht,
wenn ein falsches Aug‘ gewacht.
Man muß sich gut verstehn,
soll die Liebe nie vergehn.
Behutsam sein und schweige,
lieb innerlich mit zeige,
wie treu du mir doch bist,
und Verstellen nicht nötig ist.
Du mußt dies noch bedenken,
willst du dein Herz mir schenken.

Unbekannt

 

 

 

Der letzte Schritt
(Grabrede)

Es ist Zeit,
alle Trennungen zu überschreiten,
alle Begrenzungen zu durchbrechen,
alle Wände niederzureißen.

Der Engel des letzten Erwachsens bläst mit aller Kraft in die Trompete.
Tod und Trauer waren nötig,
um das ewige Leben zu erfahren,
das, was niemals sterben kann.

Du gehst ein in das Übersinnliche.
Sogar die Bergspitzen müssen verlassen werden.
Der Ruf ist mächtig:
Komm und folge mir in das Unbekannte.

Wenn es Feuer regnet,
mußt du wie Wasser sein.
Wenn es Überfluß von Wasser gibt,
sei wie der Wind.
Wenn die große Flut kommt,
werde wie der Himmel.
Und wenn es die letzte Flut aller Zeiten ist, gebe dich selbst auf und folge den Sternen.
Es war eine risikoreiche Angelegenheit auf der Schwelle zum Abgrund.
Jetzt gibt es kein Risiko mehr.
Keine Trennung zwischen oben und unten.
Es wurde schon alles riskiert und verloren.
Es gibt nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen.
Denn indem alles verloren wurde,
wurde alles gewonnen.

Er ist voll von Kraft.
Furchtlos, weise, erhaben.
Er hat alle Dinge hinter sich gelassen.
Er ist am Ende des Weges angelangt.
Alles, was er tun wollte, hat er getan.
Und jetzt ist er eins mit
dem Leuchten der Sonne,
dem Funkeln der Sterne,
dem Wehen der Winde,
dem Brausen des Meeres,
und den Bergen.

Unbekannt

 

 

 

Die Suche

Was soll ich sagen?
Es ist soviel geschehen.
Hundert Fragen –
Die im Wege stehen.

Nur eine Antwort –
Läßt sich finden.

Eine Flucht,
Ist eine Reise,
Denn jeder sucht
Auf seine Weise.

Unbekannt

 

 

 

Angsttraum

Gleich wie schnell du fliehst,
Wenn du in den Spiegel siehst
Wird die Vergangenheit zur Gegenwart.
Mit leisem Schritt das Grauen naht.
Liegst in unsichtbaren Geißeln.
Gedanken sich in Steine meißeln.
Keine Ruhe – nicht im Schlaf.
Bist nur ein verirrtes Schaf.
Findest deinen Frieden, deine Herde nicht.
Doch dich findet des Schnitters Licht.
Harre aus. Er wird dich in Bälde finden.
Von deiner Angst auf ewig dich entbinden.

Unbekannt

 

 

 

 

 

 

Freude

Ich schenke dir Freude,
so einfach spontan,
frei aus dem Bauch
und ganz ohne Plan,
Freude,
die in meine Welt dich entführt,
die dir gut tut
und tief im Herzen berührt,
ich schenke dir Freude,
die deine Sorgen vertreibt,
die hoffnungsfroh
dir in Erinnerung bleibt,
ich wünsche dir alles,
was du jemals vermißt,
und mir wünsch ich
daß du für immer
bleibst wie du bist.

Unbekannt

 

 

 

 

Nur ein Spiel

Als wir Kinder waren spielten wir im Wald,
bauten uns Häuser und spielten Familie.
Wir spielten auf dem Klettergerüst,
waren Piraten auf wilder See.
Wir träumten vom Erwachsensein.
Irgendwann wurden wir erwachsen und spielten nicht mehr.
Denn aus den Spielen von früher wurde bitterer Ernst.
Da träumten wir davon wieder Kinder zu sein.

Unbekannt

 

 

 

Das Lied der Nacht

Hörst du wie die Sterne singen?
Ein Lied von Wahrheit und Leid.
Das Lied der vergessenen Träume.
Das Lied der verlorenen Herzen.
Über der Welt.
Am Himmelszelt
Leuchten sie wie tausend Kerzen.
Sind älter als Stein und Bäume.
Und bis in alle Ewigkeit
wird ihr Lied erklingen.

Unbekannt

 

 

 

 

 

Das Schreien

Einst ging ich meinem Mädchen nach
Tief in den Wald hinein,
Und fiel ihr um den Hals, und: Ach!
Droht sie, ich werde schrein.

Da rief ich trotzig: Ha! ich will
Den töten, der uns stört! -
Still, lispelt sie, Geliebter, still!
Daß ja dich niemand hört.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

Landschaft

Wie alte Knochen liegen in dem Topf
Des Mittags die verfluchten Straßen da.
Schon lange ist es her, daß ich dich sah.
Ein Junge zupft ein Mädchen an dem Zopf.

Und ein paar Hunde sielen sich im Dreck.
Ich ginge gerne Arm in Arm mit dir.
Der Himmel ist ein graues Packpapier,
Auf dem die Sonne klebt - ein Butterfleck.

Alfred Lichtenstein

 

 

Beschattet von der Pappelweide
Am grünbeschilften Sumpf
Saß Hedewig im roten Kleide,
Und strickt' am kleinen Strumpf;
Sie strickt', und sang mit süßem Ton
Ein Lied, ich weiß nicht mehr wovon.

Johann Heinrich Voß

 

 

 

 

Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?
Das Horn lockt nächtlich dort, als ob's dich riefe,
Am Abgrund grast das Reh,
Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe –
O stille! Wecke nicht! Es war, als schliefe
Da drunten ein unnennbar Weh. –

Kennst du den Garten? – Wenn sich Lenz erneut,
Geht dort ein Fräulein auf den kühlen Gängen
Still durch die Einsamkeit
Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,
Als ob die Blumen und die Bäume sängen,
Von der alten schönen Zeit.

Ihr Wipfel und ihr Brunnen, rauscht nur zu!
Wohin du auch in wilder Flucht magst dringen:
Du findest nirgends Ruh!
Erreichen wird dich das geheime Singen,
In dieses Sees wunderbaren Ringen
Gehn wir doch unter, ich und du! –

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
 

 

 

 

 

Du mußt Dir eine Beziehung vorstellen wie ein Haus:
Du lebst in ihr und mußt sie, genau wie ein Haus, pflegen.
Sie ist auf dem Fundament Vertrauen aufgebaut.
Doch herrscht Krieg – längerfristig –
so bleiben nur noch Trümmer davon übrig.
Auf diesen Trümmern kann kein neues Haus gebaut werden.
Erst müssen die Trümmer beseitigt werden,
dann kann entschieden werden,
ob ein neues Fundament gegossen wird,
oder ob das Land an der Stelle brach bleibt
und das Haus an einer anderen Stelle
(mit jemand anderem) neu errichtet wird.

Unbekannt

 

 

 

 

Alles war ein Spiel

In diesen Liedern suche du
Nach keinem ernsten Ziel!
Ein wenig Schmerz, ein wenig Lust,
Und alles war ein Spiel.

Besonders forsche nicht danach,
Welch Antlitz mir gefiel,
Wohl leuchten Augen viele drin,
Doch alles war ein Spiel.

Und ob verstohlen auf ein Blatt
Auch eine Träne fiel,
Getrocknet ist die Träne längst,
Und alles war ein Spiel.

Conrad Ferdinand Meyer

 

 

 

 

 

 

 

angenommen

du sagst
du mußt so sein
du kannst nicht anders
immer wieder
aufs neue
so sein

aber

angenommen
du wirst
wirklich
angenommen
dann
mußt du aber
auch
wirklich
so sein

Unbekannt

 

 

 

Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bette und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: "O komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte!" –
Sie schüttelt' das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.

Heinrich Heine

 

 

 

 

 

 

Das verlassene Mägdlein

Früh, wann die Hähne krähn,
Eh' die Sternlein verschwinden,
Muß ich am Herde stehn,
Muß Feuer zünden.

Schön ist der Flamme Schein,
Es springen die Funken;
Ich schaue so drein,
In Leid versunken.

Plötzlich, da kommt es mir,
Treuloser Knabe,
Daß ich die Nacht von dir
Geträumet habe.

Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran –
O ging' er wieder!

Eduard Mörike

 

 

 

 

 

 

Es lacht in dem steigenden Jahr dir

Es lacht in dem steigenden Jahr dir
der Duft aus dem Garten noch leis.
Flicht in dem flatternden Haar dir
Eppich und Ehrenpreis.

Die wehende Saat ist wie Gold noch,
vielleicht nicht so hoch mehr und reich.
Rosen begrüßen dich hold noch,
ward auch ihr Glanz etwas bleich.

Verschweigen wir, was uns verwehrt ist;
geloben wir, glücklich zu sein,
wenn auch nicht mehr uns beschert ist
als noch ein Rundgang zu zwein.

Stefan George

 

 

 

 

In gelben Buchten

In gelben Buchten sogen wir der Fernen
Verspülte Lüfte, die von Städten wissen,
Wo Lüste grünen, angerührt von Wahnsinn.
Wir schwammen auf dem Fieberschiff stromauf
Und sonnten unsre Leiber an dem Buhlen
Waldheißer Panther, die der Sommer quält.
Der Klapperschlange nacktes Schlammgeringel
Wand sich verstört, als wir vorüberkamen,
Und in verschlafnen Dörfern gurgelte die Lust.
Ein warmer, satter Wind strich durch die Palmen. -
Ich sah dich weiß von Schlaf.
Und als ich von dir ebbte, hoch erhoben
Von meinem stolzen, satt gestürmten Blut:
O Sturm der Nächte, der mich Blutwärts zog
Zu kühnen, die entdeckten Ländergürteln:
O schwül Geliebte! Strom der Geheimnisse!
Verschlafenes Land! Im Süden!O Sommer-Qual!
Und schöne Raubtierflecken ...
Bist du es denn?
Groß aus dem Weltraum nachts, der Spiegel ist,
Tönt dein zerwehtes Bildnis in meine Seele.
Die Sterne durchziehen harfend deine Brust.
Du aber ...
Du glänzt vielleicht versehnt im weißen Federbett,
Traum liegt dir hart im Schoß. -
Oder ein junger Liebling
Zieht fühlsam mit zeichnendem Finger
Die festen Runden deiner Brüste nach.
Ihr seid sehr heiß.
Und schöne Raubtierflecken zieren eure Rücken.

Friedrich Theodor von Vischer

 

 

 

Mit roten Feldmohnblumen
hatt' ich dein Haar geschmückt,
die roten Blumenblätter
die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen
beim Abendsonnenschein,
und als die Nacht hereinbrach,
da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen
und sehe die Dunkelheit sprühn,
vor meinen träumenden Augen
purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns

 

 

 

Und wüßten's die Blumen, die kleinen,
wie tief verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

Und wüßten's die Nachtigallen,
Wie ich so traurig und krank,
Sie ließen fröhlich erschallen
erquickenden Gesang.

Und wüßten sie mein Wehe,
Die goldenen Sternelein,
Sie kämen aus ihrer Höhe,
Und sprächen Trost mir ein.

Die alle können's nicht wissen,
Nur eine kennt meinen Schmerz:
Sie hat ja selbst zerrissen,
zerrissen mir das Herz.

Heinrich Heine

 

 

 

Klage

 

Ich hab' dich so lieb, und du tust mir so weh,
Was soll ich wohl dazu sagen?
Es fiel auf mein Herz ein eiskalter Schnee
In prangenden Frühlingstagen.

Nun wird wohl keine Ernte sein,
Da alle Blüten gestorben,
Und du - du hast um all meine Pein
Ein wenig Lust dir erworben.

Paul Keller

 

 

 

Der Ritter und sein Liebchen

Ein Ritter ritt einst in den Krieg,
Und als er seinen Hengst bestieg,
Umfing ihn sein feins Liebchen;
"Leb' wohl, du Herzensbübchen!
Leb' wohl! Viel Heil und Sieg!

Komm fein bald wieder heim ins Land,
Daß uns umschling' ein schönres Band,
Als Band von Gold und Seide:
Ein Band aus Lust und Freude,
Gewirkt von Priesterhand!" -

"Ho ho! Käm ich auch wieder hier,
Du Närrchen du, was hülf es dir?
Magst meinen Trieb zwar weiden;
Allein dein Band aus Freuden
Behagt mitnichten mir." -

"O weh! so weid' ich deinen Trieb,
Und willst doch, falscher Herzensdieb,
Ins Ehband dich nicht fügen!
Warum mich denn betrügen,
Treuloser Unschuldsdieb?" -

"Ho ho! du Närrchen, welch ein Wahn!
Was ich tat, hast du mitgetan.
Kein Schloß hab' ich erbrochen;
Wann ich kam anzupochen,
So war schon auf getan." -

"O weh! So trugst du das im Sinn?
Was schmeicheltest du mir ums Kinn?
Was mußtest du die Krone,
So zu Betrug und Hohne,
Mir aus den Locken ziehn?" -

"Ho ho! Jüngst flog in jenem Hain
Ein kirres Täubchen zu mir ein.
Hätt' ich es nicht gefangen,
So müßten mir entgangen
Verstand und Sinnen sein." -

Drauf ritt der Ritter hopsasa!
Und strich sein Bärtchen trallala!
Sein Liebchen sah ihn reiten
Und hörte noch von weiten
Sein Lachen ha ha ha! - -

Traut, Mädchen, leichten Rittern nicht!
Manch Ritter ist ein Bösewicht.
Sie löffeln wohl und wandern
Von einer zu der andern,
Und freien keine nicht.

Gottfried August Bürger

 


Amanda, liebstes Kind,
Du Brustlatz kalter Herzen,
Der Liebe Feuerzeug,
Goldschachtel edler Zier,
Der Seufzer Blasebalg,
Des Trauerns Löschpapier,
Sandbüchse meiner Pein,
Und Baumöl meiner Schmerzen,
Die Speise meiner Lust,
Du Flamme meiner Herzen.
Nachtstülchen meiner Ruh
Der Poesie Clystier
Des mundes Alicant
Der Augen Lustrevier
Der Complimenten sitz
Du Meisterin zu schertzen
Der tugend Quodlibet
Calender meiner Zeit
Du Andachts-fackelchen
Du quell der Fröligkeit
Du tieffer abgrund du
Voll tausend guter Morgen
Der Zungen Honigseim
Des Hertzens Marcipan
Und wie man sonsten
Dich mein Kind beschreiben kan.
Lichtputze meiner Noth
Und Flederwisch der Sorgen.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau

 

 

 

 

 

Glücklich, ihr, daß ihr der Welt entronnen

Glücklich ihr, daß ihr der Welt entronnen,
Eh das Netz der Wirrung euch umsponnen,
Das um die da leben wirft das Leben,
Und nicht Einsicht kann's, nur Tod, entweben.

Wie sich Fremden, die sich lieben sollten,
Selbst sich wehthun, die sich wohlthun wollten,
Und so selten nur sich zwei verstehen,
Die zusammen eines Weges gehen.

Dieses Streits, mit halberwachtem Sinne,
Glückliche, seid ihr nicht worden inne,
Und nun seid ihr, wo er euch nicht irret,
Ihr entwirrt seht alles was uns wirret.

Friedrich Rückert

 

 

 

Verbleibst ihm dennoch hold gewogen

Verbleibst ihm dennoch hold gewogen,
mein Herz, das in der Jugend bricht!
Er hat ja nimmer dich belogen,
Du hast ja gern dich selbst betrogen,
Was du gejubelt, weiß er nicht.

Dein wonnig Lied, dein scheues Beben,
Du hast es ihm ja nie geklagt;
Hast keiner Seele preisgegeben
Dein wundervolles Liebeleben,
Dir's selbst in Räthseln nur gesagt.

Kein Gott hat ihn mit dir verbündet,
Doch deine Sendung ist bestellt;
Nie hat die Ahnung ihm verkündet,
Wo deines Lebens Quelle mündet.
Du bleibst ihm fremd in dieser Welt!

Karl Beck

 

 

Leeres Reden, Kommen, Gehen,
Schales Lächeln, Lachen auch,
Alles mußtest du verstehen,
Heuchelnd nach des Tages Brauch!

Unergründet muß es bleiben,
Glatt und trügrisch wie die Welt,
Wenn dein Wesen ihrem Treiben
Widerwillig ward gesellt.

Dein erst, wenn der Tag zerstoben,
Ist, was dir die Seel' umfaßt,
Dein des Glücks, der Schmerzen Toben,
Dein geliebter Sorgen Last.

Otto Roquette

 

 

Unzertrennlich

Ich zog landaus, landein –
Nur fort von hier!
Und war doch nie allein:
Du bliebst bei mir!

Im wilden Seelensturm
Rang ich mit dir;
Trotz war mein starker Turm:
Du bliebst bei mir!

So läßt es Gott wohl zu –
Gott lohn' es dir!
Nun ist's wie Himmelsruh':
Du bleibst bei mir!

Karl Stieler

 

 

Dich verloren zu haben

Dich verloren zu haben,
Ist wohl ein Verlust;
Doch gehabt dich zu haben,
Ist auch eine Lust.

Nicht gehabt dich zu haben,
Das wär' ein Verlust;
Dich verloren zu haben
Wird dagegen zur Lust.

Friedrich Rückert

 

 

Nun bist du dennoch gekommen

Nun bist du dennoch gekommen,
Mein Glanz, meine Seele, mein Licht –
und von den goldenen Stunden
wird jede mir zum Gedicht.

Das in Nacht und Trübsal strahle,
wenn du gingst, wie wärmender Schein,
mir glühenden Abglanz male
in meine dunkelnde Pein!

Hermione von Preuschen

 

 

Von dem, was ich besessen,
Ist wenig mir geblieben,
Von meinen süßen Träumen,
Von Glauben, Hoffen, Lieben!

Nur schmerzliches Erinnern
Ist's, was das Herz behielt,
Verachtung, Haß und Flüche –
Und eines Mannes Bild.

Ada Christen


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